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ERSTKOMMUNION – LETZTKOMMUNION?
Als Pfarrer stellt sich mir jedes Jahr von neuem die Frage: War das nun alles? Nach der Erstkommunion sind selbst die Familiengottesdienste und die Kinderkirche, die ja eigens für und mit den Kindern gestaltet werden sehr schlecht besucht. Oft sind außer den Akteuren kaum andere Kinder zu sehen. An den Kindern allein kann es wohl nicht liegen. Denn auch die zugehörigen Eltern fehlen. Das Argument: Keine Zeit scheint mir nur vorgeschoben. Denn bei vielen anderen Veranstaltungen am Wochenende sind sehr wohl Kinder anzutreffen. Mir scheint der Hauptgrund: Der Gottesdienst ist nicht wichtig.
Der Theologe Ludwig Gschwind gibt diesbezüglich folgenden Rat:
„Wir müssen uns ganz einfach Zeit nehmen. Bei Zahnschmerzen bringen wir es plötzlich fertig, unsere ganze Terminplanung außer Kraft zusetzen, weil wir in diesem Zustand zu keiner vernünftigen Arbeit mehr fähig sind. Wenn der Grippevirus sich in unserem Körper eingenistet hat, dann bleibt nichts anderes übrig, als die Krankheit auszukurieren. Man müsste es teuer bezahlen, würde man sich einbilden, das Kranksein auf später verschieben zu können. Schmerzen sind Alarmsignale, ebenso Fieber, dass der Mensch nicht nur Geist ist, sondern auch einen Leib besitzt. Der Leib braucht Ruhe. Er braucht Stunden der Muße und Entspannung. Man kann nicht in einem fort arbeiten. Es wäre falsch gespart, wenn man dem Körper keine Verschnaufpause gönnen würde. Die Folgen eines solchen Raubbaus an der Gesundheit stellen sich häufig bald ein.
Wie aber ist es mit der Seele? Man sagt, das Beten sei das Atemholen der Seele. Wie oft kann man hören: „Ich komme nicht zum Beten." „Zum Beten habe ich keine Zeit." „Das Beten hebe ich mir für meine kranken und alten Tage auf." Diese seelischen Asthmatiker haben natürlich auch Probleme mit dem Sonntag. Gott hat ihn dem Menschen zum Ausruhen geschenkt. Auf eine Woche der Arbeit folgt der „Tag des Herrn". Wie aber steht es mit dem Tag des Herrn? Man nutzt ihn zum Ausschlafen, weil man am Samstag nicht ins Bett kommt. Man hat keinen richtigen Rhythmus. Man lässt die heilige Messe ausfallen, manche auch das Mittagessen, weil man so spät gefrühstückt hat. Dann geht es zum Sportplatz, oder man sitzt vor dem Fernseher. Wenn man es genau betrachtet, weiß man mit seiner Freizeit nichts Rechtes anzufangen. Wenn der Sonntag der „Tag des Herrn" ist, und der Herrgott den ganzen Sonntag nicht vorkommt, dann stimmt etwas nicht. Es spricht eine reiche Erfahrung aus dem Satz: „Soll die Arbeit dir gedeihen, musst du Gott den Sonntag weihen." Das Herzstück des Sonntags ist die heilige Messe. Wir können sie gar nicht hoch genug schätzen!
Jede heilige Messe ist eine Begegnung mit dem lebendigen Gott. Wenn wir Gott eine Stunde schenken, dürfen wir sicher sein, dass er uns viel, viel mehr schenkt. In Lesung, Evangelium und Predigt erfahren wir von Gottes Güte und Barmherzigkeit, von seiner Liebe und von unserer Berufung zum ewigen Leben. Wir dürfen Gott wie Kinder um alles bitten und stehen mit Maria bei der heiligen Wandlung unter dem Kreuz. Jesus breitet seine Arme aus, um uns an sich zu ziehen.
Jesus lädt uns ein, in der heiligen Kommunion mit ihm eins zu werden. Ob wir begreifen, wie viel uns Gott schenkt?
König Ludwig IX. von Frankreich (+ 1270) hat dies einmal in die Worte gefasst: „Das ist die einzige Stunde des Tages, von der ich ganz sicher bin, dass es keine vergeudete Zeit ist."
Ist es deshalb nicht unklug, den sicheren Hauptgewinn für ein bisschen Vergnügen dranzugeben? Wir kennen die Geschichte von den törichten Jungfrauen, die ihre Zeit verplempert haben und dann nicht zur Hochzeit kommen dürfen. Jesus erzählt dieses Gleichnis, um uns daran zu erinnern, dass es in diesem Leben um eine Ewigkeit geht. Was aber hat die heilige Messe am Sonntag mit der Ewigkeit zu tun? Der Volksmund gibt die Antwort: „Wer am Sonntag die Kirchentüre nicht findet, findet im Sterben die Himmelstüre nicht."
Euer Pfarrer Werner Eisele





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